BEMERKENSWERTE SKULPTUR
„Hl. Sebastian“

Tirol/Südtirol
Um 1500
Lindenholz geschnitzt
Reste der originalenPolychromie
Höhe 70 cm

Die Figur des Heiligen Sebastians (70 cm) wurde im alpenländischen Raum um 1500 gefertigt. Der nackte Jüngling ist mit typisch goldenem Lendenschurz und einem seltenen hohen Hut dargestellt sowie an einem Baumstamm gefesselt. Seine Wundmale an Armen, Torso und Beinen liegen frei, die Pfeile, mit denen er durchbohrt wurde, sind hier nicht erhalten. Sebastian diente als Offizier für Kaiser Diocletian und wurde wegen seines christlichen Glaubens gemartert: Man band ihn an einen Baum, wo er von numerischen Bogenschützen erschossen wurde. Da man ihn für tot hielt, ließ man ihn zurück; jedoch hatten ihn die Pfeile nicht töten können. Eine Wohltäterin namens Irene pflegte ihn gesund; später trat Sebastian wieder vor den Kaiser, der ihn schließlich zu Tode peitschen und in die Cloaca Maxima, den Abwasserkanal Roms, werfen ließ. Die Art des Martyriums sowie die zurückgelassenen Male stellen seinen Märtyrertod in die Nachfolge Christi.

            Der jugendliche Körper des Märtyrers ist leicht gebogen; seine rechte Hand über seinem Kopf und seine linke Hand hinter seinem Rücken an den Baum gefesselt. Das markanteste Merkmal ist der hohe Hut, der möglicherweise einen Rüstungsteil darstellt. Dieser Hut findet sich besonders in süddeutschen/alpinen Sebastian-Darstellungen der Spätgotik. Seine detailliert ausgearbeiteten Locken sind unter der Kopfbedeckung versteckt; das Gesicht mit halb geöffneten Augen, hohen Wangenknochen und leicht geöffnetem Mund blickt entrückt nach oben. Im französischen Burgund wurden ähnliche Skulpturen mit weich modellierten Körpern und anliegenden Lendentüchern geschaffen; jedoch ist die knabenhafte Gestalt des Sebastian auch mit Donatello’s David (1444-46) verwandt. Derartige Beispiele mit jugendlicher Körperhaftigkeit finden sich besonders bei toskanischen Sebastian-Terrakotten, beispielsweise vom bekannten Bildhauer der italienischen Frührenaissance Matteo Civitali (1436-1501) aus Lucca, von ca. 1492 (National Gallery of Art Washington D.C., 1943.4.76). Diese Einflüsse der italienischen Frührenaissance haben sich gen Norden bis in den alpinen Raum Südtirols verbreitet wo auch diese reizende Skulptur um 1500 entstanden ist.