SAMMLUNGSWÜRDIGE SKULPTUR IM WEICHEN STIL
„Hl. Wolfgang“

Salzburg
Um 1420
Gussstein
Originale, polychrome Fassung
Höhe 44 cm

Hochmuseale Kleinplastik im Weichen Stil um 1400. Die wahrscheinlich charmantesten Skulpturen des Schönen Stils wurden in Böhmen und Salzburg geschaffen. Dies verdeutlichte auch die Ausstellung über Madonnen des Schönen Stils im Gotik Museum Leogang im Jahr 2019 wo Leihgaben aus der Prager Nationalgalerie und Salzburger Meisterwerke gemeinsam gezeigt wurden. Die hier präsentierte Figur der Hl. Wolfgang zeigt in beeindruckender Weise die künstlerische Ausdruckskraft dieser Epoche. In der Doppel S-Linie steht der Heilige auf Teilen der unter den Schuhen zusammenlaufenden Manteldraperie. Die linke Hüfte weit ausgestellt. Im Kotrapost fällt der weite Mantel in reichen Kaskaden von Röhrenfalten zu seiner rechten hinab. Diese entstehen durch die angewinkelte Hand Wolfgangs in der er die Kirche trägt. Die linke hat er zum Gruß erhoben.

Der Schöne Stil, auch Internationaler Stil war um 1400 in ganz Europa vorherrschend. Sowohl in der Bildhauerei als auch in der Malerei war dieser Weiche Stil, wie er noch genannt wird, stilprägend in der Formensprache der bildenden Kunst. Von Frankreich aus eroberte er ganz Europa. Große Zentren wie Köln, Prag, oder Salzburg mit seinen engen Handelsverbindungen zu Böhmen entstanden. Die meist verwendeten Materialien waren Stein und das nicht ganz so haltbare Holz. In Gegenden wo es keinen geeigneten Stein zur Bearbeitung gab wurde der sogenannte Gussstein erzeugt. Aus Steinmehl und Kalk wurden Blöcke gegossen die dann von den Bildhauern bearbeitet wurden. Es ist ja materialtechnisch kein Unterschied. Die Dombauhütten Europas arbeiten noch heute in dieser 1000 Jahre alten Tradition. Wobei auch Skulpturen in Steinguss produziert wurden und werden. Der Unterschied zum Gussstein liegt darin dass die Masse in eine Form gegossen wurde. Ob diese Art der Herstellung auch im Mittelalter geläufig war oder erst durch die Restaurierungen der Neuzeit entstand ist bis heute unbekannt. Die Theorie tendiert eher auf die Gusssteinvariante als einzige Methode. Denn bis heute wurde nirgendwo ein Form für eine Gussfigur gefunden bzw. hat sich eine solche erhalten.