AUSSERGEWÖHNLICHE SKULPTUR

„Stehende Madonna“
Köln
Um 1380
Nussholz geschnitzt
Originale, geschlossene, polychrome Fassung
Höhe 64 cm

Vergleichbare Darstellungen:
Sammlung Thyssen Bornemisza
Schnütgen Museum, Köln

Diese ausdrucksstarke Madonna ist eine meisterhaft geschnitzte Skulptur von 64 cm Höhe. Sie entstand wohl gegen 1380, in den ersten Zügen des sogenannten Internationalen Stils, der zahlreiche Madonnendarstellungen um 1400 auszeichnet. Stilistisch ist die Manier der Draperie in Frankreich einzuordnen; jedoch reflektiert die Figur Merkmale der Bildschnitzerei am Verlauf des Rheins.

Während Maria schon den charakteristischen S-Schwung zeigt, der für die sogenannten „Schönen Madonnen“ typisch ist, so ist die weiche Modellierung ein klares Indiz der Zuordnung in das letzte Viertel des 14. Jahrhunderts. Die Diagonalität der Faltenausrichtung und die stilisiert spitz zulaufenden Schüsselfalten werden unterstrichen durch den teigig herabfallenden Überwurf, den Maria mit der linken Hand beinahe kokett hochhebt. Mit der rechten Hand hält sie ihren Sohn an sich gedrückt, der, wie üblich in der Zeit vor 1400, mit einem langen Gewand bekleidet ist und in statisch-aufrechter Haltung im Arm der Mutter thront. In seiner Hand hält Jesus eine Taube, die er zu füttern scheint. Diese kann als Symbol der Keuschheit Marias, als erlöste Seele oder als Referenz zu den Apokryphen über den jungen Jesus, der Tontauben zum Leben erweckte, interpretiert werden. Besonders die langen Haarlocken und der gelängte Körper von Jesus lassen den Schluss zu, dass es sich hier nicht um ein Baby sondern um ein Kleinkind handelt. Derartige Darstellungen erfreuten sich großer Beliebtheit und waren besonders symbolträchtig. Maria als Fürbitterin blickt mit ernstem Gesichtsausdruck den Betrachter an; die hohe Stirn reflektiert hierbei das mittelalterliche Schönheitsideal. Ähnlich wie eine Krösenfrisur sind die filigranen gotischen Locken vom dichten Schleier überdeckt und unterstreichen die vornehme Gestaltung der Figur. Der Brustgürtel mit Blumenmotiven spiegelt die florale Dekoration des Kleides und Überwurfs wieder; dieser ist blau an der Außenseite und rot an der Innenseite, zwei besonders in dieser Kombination mit Maria verbundene Farben, die in ihrer Symbolik sowohl auf Maria als Himmelskönigin hinweisen als auch die Passion Christi vorausahnen lassen.

Aus dieser Zeit gibt es nur sehr wenige Vergleichsbeipiele. Eine charakteristisch eng verwandte Madonnendarstellung findet sich im Schnütgen Museum in Köln, eine weiter in der Sammmlung Thyssen-Bornemisza.